Übersetzung

 

Knut Hamsun war außerhalb seines Heimatlandes nirgendwo so erfolgreich wie in Deutschland. Das war nicht zuletzt der kongenialen Übersetzungsarbeit von Angermann und Sandmeier zu danken, die insbesondere die mystische Schwere der Texte und die Bedächtigkeit der literarischen Sprache betonte, ja mitunter deutlicher herausarbeitete als im Original. Man lese Hamsun auf Englisch oder in einer romanischen Sprache und man wird sehen, wie viel metaphysische Substanz und existentieller Gehalt dort verloren gehen.

Kirks  Doppelroman nimmt ganz eindeutig Hamsunsche Sprachideen auf und verarbeitet sie eigenständig. Das musste sich in der Übersetzung, sollte sie das innere Gefühl auch nur halbwegs wiedergeben, unbedingt niederschlagen. In der deutschen Sprache ist es wie in keiner anderen möglich, die nordischen Idiosynkrasien aufzubewahren. Wird dies nicht versucht, so kann zwar ein formal fehlerfreies Buch entstehen, dessen „Seele“ allerdings durchaus verloren gehen. Die erste deutsche Übersetzung der „Fischer“ des äußerst verdienstvollen Übersetzers Udo Birckholz, Rostock 1969, wollte in diesem Sinne perfekt sein. Sie sei zur vergleichenden Analyse der unterschiedlichen übersetzerischen Herangehensweisen an dieser Stelle erwähnt.

Die vorliegende Übersetzung versucht so adäquat wie möglich den dänischen Originaltext ins Deutsche zu übertragen. Ziel war es, dem deutschen Leser so authentisch wie nur durchführbar, das Lesegefühl des muttersprachlichen Lesers zu vermitteln. Dementsprechend wurde angestrebt, den Sprachrhythmus, die syntaktische Struktur (Satzbau) und die konkrete Wortwahl beizubehalten, auch dann, wenn das mitunter gegen den deutschen Sprachsinn verstößt. Kirk selbst nutzt eine eigentümliche, oft grammatisch im puritanischen Sinne nicht korrekte Sprache und er macht das im Übrigen ganz ausdrücklich nur in den drei Kollektivromanen. Die sprachlichen „Unsauberkeiten“ sind also genuine Aussage. Stilistische „Unreinheiten“, wie etwa Wortwiederholungen, wurden daher beibehalten, wo sie im Original auftreten – es wurde nicht geglättet, um dem deutschen Sprachgefühl gefällig zu sein. Jütländische Mundart wurde, wo möglich, mit deutschen Äquivalenten übersetzt, wo nicht möglich, dem Gesamtsprachduktus angepasst oder ins Hochdeutsche übertragen. So wurde das dialektale „A“, welches die Tagelöhner anstelle des korrekten „Jeg“ nutzen, immer mit „Ich“ übersetzt und nicht mit einer deutschen dialektalen Form. Dies ist hier möglich, weil es keine entscheidende sinntragende Funktion hat. Bei den „Fischern“ hingegen müsste man eine andere Regelung finden, da dort auch das westnordjütländische „Æ“ zur Anwendung kommt und durch die erste Person Singular individuelle Entwicklungen verdeutlicht werden sollen.

(aus dem Nachwort zu "Die Tagelöhner")