Die Tagelöhner

Kirk erlangte mit seinem 1928 erschienen Buch „Fiskerne“ Weltruhm. Seither gehört das Buch zum nationalen Kulturerbe in Dänemark, wird im Schulunterricht behandelt, wurde verfilmt, ist das am häufigsten verlegte Werk der letzten Jahrzehnte, kurz, gehört neben „Lykke Per“, „Kongens Fald“, „Pelle Erobreren“ zu den bedeutendsten Beiträgen Dänemarks zur skandinavischen und Weltliteratur. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Udo Birckholz, allerdings erst 1969 im Hinstorff Verlag Rostock, und war daher noch nicht einmal allen deutschen Lesern zugänglich. Kirk selbst war mit seinem ersten Kollektivroman  –  ein neues Genre, das der Romankunst ganz unverbrauchte Ausdrucksmöglichkeiten eröffnete – allerdings unzufrieden, fand er ihn doch unglücklich komponiert und schöpfte er durch die Limitierung auf jene „indre missionske“ Fischergruppe die Möglichkeiten der gesamtgesellschaftlichen Darstellung durch die Kollektivromantechnik nicht voll aus. Daher ist es keine Übertreibung zu behaupten, dass die beiden Folgeromane „Daglejerne“ und „De ny tider“ die eigentlichen Hauptwerke des Schriftstellers darstellen. In ihnen hat er die Möglichkeiten des Kollektivromans vielseitig vervollkommnet – trotz zahlreicher Nachfolger dürfen diese beiden Romane als bislang unübertroffener Maßstab gelten.

Daglejerne

„Die Tagelöhner“ und "Die neuen Zeiten" liegen nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Beide Werke wurden von Jörg Seidel übertragen sowie mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Die Übersetzung zeichnet sich durch äußerste Akribie aus; sein Anliegen war es, dem deutschen Leser unserer Zeit das Leseerlebnis des dänischen Lesers zu Kirks Zeiten so nahe zu bringen wie nur möglich. Daher unterscheidet sich seine Arbeit auch deutlich von der Udo Birckholz‘. Seidel verzichtete auf sprachliche Glättung um der Gefälligkeit willen. So wirkt der Text – wie übrigens das Original – ungewöhnlich lebensnah, direkt, realistisch, derb, ohne seine ironische und analytische Tiefe einzubüßen.

Wir sind der Überzeugung, mit diesen beiden Publikationen eine wesentliche Lücke der Präsenz der skandinavischen Literatur in Deutschland zu schließen.

Kirk Tagelöhner