Johannes V. Jensen (1873 – 1950)

 

Der enigmatische Nobelpreisträger von 1944 ist eine Institution und Zentralgestalt in der dänischen Literaturgeschichte. Kaum ein Autor ist derart umstritten, mit seinem Roman „Kongens Fald“ gelang ihm ein Zentralwerk der modernen Literatur, das Buch wurde mehrfach zum bedeutendsten dänischen Roman des 20. Jahrhunderts gekürt, gehört zum sogenannten Literaturkanon und hat bis dato seine Unergründlichkeit bewahrt. Seine großen historischen Romane bilden noch heute ob ihres unverhohlenen Sozialdarwinismus Zündstoff … Johannes V. Jensen ist eine Licht- und Schattengestalt, zu der sich jeder Kulturinteressierte zu verhalten hat. Otto Gelsted, Kirks lebenslanger Freund und Berufsdenker, war der erste, der sich Jensens Werk kritisch zu nähern wagte. Kirk hatte, wie zu erwarten, seine Probleme mit diesem elitären, erzkonservativen Menschen, der keinen Kampf scheute und sich in unzählige Fehden begab: „Johs. V. Jensen ist wie Hamsun ein genialer Dichter, ein wunderbarer Artist … Hätte er Charakter, eine intellektuelle Haltung, dann wäre er ein Genie.“[1]

Literarisch rechnete Kirk ihn zu den „bondedigterne“, den Bauernschriftstellern und besonders in dieser Funktion war er für Kirk von Bedeutung. Seine „Himmerlandsgeschichten“, Novellen, die das ländliche Leben in Himmerland, jener wunderschönen Gegend südlich des Limfjords beschreiben, gelten neben Henrik Pontoppidans „Fra hytterne“ als das Nonplusultra des Genres. Kirk konnte dem mit seinem „Schattenspiel“ spät einen dritten exzellenten Vertreter zufügen.

 

 

©Text und Übersetzungen Jörg Seidel

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[1] Litteratur og tendens. S. 105

 

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